Im Interview: Madeleine Plath und Kerstin Döller sind 2 von 23.000

Ich kann kochen! hat seit 2015 bereits über 23.000 pädagogische Fach- und Lehrkräfte, Köch:innen und Küchenfachkräfte zu Genussbotschafter:innen fortgebildet. Zwei von diesen 23.000 sind Madeleine Plath aus Berlin und Kerstin Döller aus Köln. Wir wollten von ihnen wissen, warum sie an der Ich kann kochen!-Fortbildung teilgenommen haben und warum es aus ihrer Sicht wichtig ist, dass Kinder kochen lernen. Wir haben sie gefragt, was sie Kindern beim pädagogischen Kochen konkret mitgeben und wie Kocheinheiten in der Praxis gestaltet werden.


„Kochen beginnt beim Einkaufen!“

Madeleine Plath ist Erzieherin in der Kindertagesstätte der Evangelischen Gemeinde Mariendorf im Süden Berlins. Seit zwölf Jahren kocht sie mit Kindern, seit 2017 ist sie Genussbotschafterin – und ist immer noch begeistert.

  • Größe der Kochgruppe: 13 Kinder
  • Alter der Kinder: 3 bis 6 Jahre

Warum finden Sie es wichtig, dass Kinder kochen lernen?

Kochen ist wichtig, weil Essen wichtig ist. Das gehört ja zusammen. Ebenso wie die Frage, wo mein Essen eigentlich herkommt. Viele Kinder antworten darauf: „Aus dem Supermarkt!“. Die Herkunft eines Lebensmittels und welchen Weg der Verarbeitung es vielleicht schon hinter sich hat, besprechen wir deshalb bei unseren Kochaktionen immer. Mir ist es wichtig, dass die Kinder erfahren: Diese Wurst war mal ein Tier. Und auch, dass es leckere Alternativen gibt zur täglichen Wurst-Stulle oder zum überzuckerten Schoko-Croissant zum Frühstück.

Wie nehmen die Kinder Ihr Koch-Angebot an?

Sie finden das super und fragen oft: „Wann kochen wir endlich wieder?“ Dabei kochen wir regelmäßig alle zwei Wochen unser Mittagessen selbst. Die Kinder dürfen mitentscheiden, was gekocht wird. Von zu Hause kennen meine Kochkinder auch vieles nicht. Ein Beispiel: Mit dem Messer umzugehen – sei es beim Zubereiten oder beim Essen – ist für viele Vierjährige neu. Einige Kinder und Eltern sind daher am Anfang zurückhaltend. Aber das ändert sich ganz schnell, sobald man loslegt und mit den Eltern im Gespräch bleibt! Wenn die Kinder ihre ersten Erfolgserlebnisse haben, schlägt es in Freude und Stolz um. Die motorischen Fähigkeiten werden auch immer besser, je öfter wir kochen. Und die Eltern freuen sich über die Rezepte, die ihre Kinder mit nach Hause bringen und gemeinsam kochen wollen.

Wie gestalten Sie die Kocheinheiten?

Bei uns dauert eine Kocheinheit zwei Tage. Das Kochen beginnt schon mit dem gemeinsamen Vorbereiten und Einkaufen. Eigentlich beginnt es sogar noch früher, deshalb bauen wir zusammen Obst und Gemüse an. Mir ist es wichtig, dass die Kinder den ganzen Prozess miterleben. Im Morgenkreis sprechen wir über die Lebensmittel. Und besonders schön ist es, wenn die Kinder später beim Kochen den Lauch wiedererkennen, über den wir morgens gesprochen haben. Oft erzählen sie dann von sich aus, was sie zu den Lebensmitteln behalten haben. Ich freue mich, wenn sich das Wissen so nebenbei verankert. Die ganze Kochaktion wird bei uns richtig zelebriert, ein schön gedeckter Tisch gehört auch dazu. Und das Beste kommt zum Schluss: Abwaschen ist ganz großes Kino!

Haben Ihre Kochkinder ein Lieblingsgericht?

Da gibt es mehrere… Kartoffelspalten mit selbstgemachtem Ketchup stehen auf jeden Fall hoch im Kurs. Bei dem Rezept kann ich die unterschiedlichen Altersgruppen auch gut einbinden: Meine Kochkinder sind zwischen 2,5 und 6 Jahren alt. Während sich die Älteren um den Ketchup kümmern, bekommen die Jüngeren jeweils eine Kartoffel, die sie mit Unterstützung schneiden. Neben diesen „Pommes“ finden die Kinder alles toll, was aus dem Ofen kommt.


„Kinder haben viele eigene und kreative Ideen“

Kerstin Döller ist seit 2018 Genussbotschafterin. Sie kocht regelmäßig mit Kindern an einer offenen Ganztagsschule in Köln-Ehrenfeld beziehungsweise seit dem Schuljahr 2020/21 an einer Förderschule in Leverkusen.

Was erleben Sie beim Kochen mit Kindern an Ihrer Schule?

Für mich gehört es zu den schönsten Aktivitäten des Alltags, gemeinsam Mahlzeiten zuzubereiten und zu essen. Und zu sehen, mit wie viel Begeisterung Kinder kochen, wenn sie ihre eigenen Entdeckungen machen und aktiv sein können. Es ist ein großer Unterschied, ob wir unsere Nahrung nur konsumieren oder ob wir uns die Zeit nehmen, sie nach unseren Wünschen zu gestalten. Kinder haben viele eigene und kreative Ideen, wie sie eine Mahlzeit für sich und andere schmackhaft und schön zubereiten können.

Welche Kochaktionen führen Sie mit „Ihren“ Kindern durch?

Bisher habe ich regelmäßig einmal in der Woche mit acht bis zehn Grundschulkindern eine Mahlzeit zubereitet und im Anschluss gemeinsam gegessen. Dabei haben wir spielerisch spannendes über unsere Lebensmittel gelernt, neue Gemüsesorten erforscht oder verschiedene Zubereitungstechniken ausprobiert. Sehr große Freude hatten wir an einem erweiterten Ich kann kochen!-Ferienprojekt mit den Bewohnerinnen und Bewohnern eines befreundeten Seniorenheims. Mehrere Tage haben wir gemeinsam geschält, geputzt, geschnitten, gerührt, gebacken, gegessen und viel gelacht.

Was möchten Sie den Kindern dabei gerne mitgeben?

Zubereiten, Tisch decken, aufräumen, spülen… es gibt viele Alltagstätigkeiten, die wir zusammen üben können. Ebenso wichtig ist das gemeinsame Essen. Wir plaudern dabei, und das Gemeinschaftsgefühl und der Stolz auf die selbst zubereitete Mahlzeit machen alles noch viel leckerer.

Wie verstehen Sie Ihre eigene Rolle als Genussbotschafterin?

Ich arbeite mit der Prämisse, dass alle Kinder frei entscheiden können, mit welchen Lebensmitteln sie wie arbeiten möchten. Es ist zum Beispiel völlig ausreichend, dass ein Kind sich ein Gemüse zunächst anschaut, dann eventuell anfasst und daran riecht, bevor es dieses probiert und danach vielleicht zubereitet und isst. Ohne Druck können Kinder in ihrem eigenen Tempo neue Lebensmittel in ihre Essens-Wunschliste integrieren oder auch nicht.

Welche Rückmeldungen bekommen Sie von den Kindern?

Manche Kinder haben Rezepte zu Hause für ihre Eltern direkt noch einmal nachgekocht. Aussagen wie „Ich werde bestimmt mal Koch!“ oder „Schönes Essen macht richtig Spaß!“ haben schnell gezeigt, dass viele mit Feuereifer bei der Sache sind.

Unsere Genussbotschafter:innen

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Anton B. aus Dortmund

„Die Kinder kommunizieren über das Kochen miteinander, wenn sie gemeinsam vor brodelnden Töpfen stehen. Diese Erfahrung nehmen sie mit großer Freude und viel Engagement mit in ihre Familien und sagen zu Hause: Ich kann kochen!.“

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Sabine R. aus Jena

„Es ist immer wieder erstaunlich zu erleben, mit welcher Begeisterung die Kinder ihre selbst zubereiteten Gerichte essen. Selbst Lebensmittel wie Vollkornbrot, was viele das erste Mal im Kochkurs probieren, kommen gut an.“

Anja H. aus Berlin

„Selber Kochen ermöglicht unseren Kindern eine gesunde Zukunft. Sie lernen schnell und haben ein tolles Erfolgserlebnis.“

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Anette H. aus Schifferstadt

„Es ist ein Erlebnis zu sehen, wie Kinder durch Hilfe der Kochkurse ihren Geschmack entwickeln und lernen können, Essen zu genießen und bewusster damit umzugehen. Da lohnt jede Mühe, denn es ist eine Investition in ihre Zukunft.“

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Jutta L. aus Frankfurt/Main

„Selbstständig etwas Leckeres kochen zu können stärkt das Selbstbewusstsein der Kinder.“

Gabriele T. aus Münster

„Das gemeinsame Einkaufen beim Bauern in der Nachbarschaft, unser freudiges Kochen und das gemeinsame Auslöffeln der Töpfe am Ende des Schultages ist wunderbar für Klein und Groß!“

Beispiele aus der Praxis: Ich kann kochen! vor Ort

Regelmäßige Koch-AGs, Kochaktionen gemeinsam mit den Eltern, Besuche im Supermarkt oder ein eigener Schulgarten: So setzen unsere Genussbotschafter:innen aus Berlin, Soest und Homburg Ich kann kochen! in der Praxis um.

Zu allen Praxisbeispielen