Warum gibt’s keine Erdbeeren im Winter?

  • Einrichtung: Evangelische Kindertagesstätte Mariendorf-Ost in Berlin
  • Größe: 155 Kinder, 27 ErzieherInnen
  • Genussbotschafterin: Madeleine Plath
  • Größe der Kochgruppe: 13 Kinder
  • Alter der Kinder: 3 bis 6 Jahre

Kindern bewusst zu machen, dass ihr Essen nicht fertig auf den Tellern landet – dieser Gedanke motivierte Madeleine Plath, die Ich kann kochen!-Fortbildung zu besuchen. Die Genussbotschafterin arbeitet in Berlin-Mariendorf, einem Stadtteil im Süden der Hauptstadt, als Erzieherin in der Kindertagesstätte der Evangelischen Gemeinde Mariendorf-Ost. Schon seit einiger Zeit setzt sich Madeleine Plath intensiver mit den Themen Ernährung und Nachhaltigkeit auseinander:

Genussbotschafterin Madeleine Plath im Interview

Warum finden Sie es wichtig, dass Kinder kochen lernen?

Kochen ist wichtig, weil Essen wichtig ist. Das gehört ja zusammen. Ebenso wie die Frage, wo mein Essen eigentlich herkommt. Viele Kinder antworten darauf: „Aus dem Supermarkt!“. Die Herkunft eines Lebensmittels und welchen Weg der Verarbeitung es vielleicht schon hinter sich hat, besprechen wir deshalb bei unseren Kochaktionen immer. Mir ist es wichtig, dass die Kinder erfahren: Diese Wurst war mal ein Tier. Und auch, dass es leckere Alternativen gibt zur täglichen Wurst-Stulle oder zum überzuckerten Schoko-Croissant zum Frühstück.

Wie nehmen die Kinder Ihr Koch-Angebot an?

Sie finden das super und fragen oft: „Wann kochen wir endlich wieder?“ Dabei kochen wir regelmäßig alle zwei Wochen unser Mittagessen selbst. Die Kinder dürfen mitentscheiden, was gekocht wird. Von zu Hause kennen meine Kochkinder auch vieles nicht. Ein Beispiel: Mit dem Messer umzugehen – sei es beim Zubereiten oder beim Essen – ist für viele Vierjährige neu. Einige Kinder und Eltern sind daher am Anfang zurückhaltend. Aber das ändert sich ganz schnell, sobald man loslegt und mit den Eltern im Gespräch bleibt! Wenn die Kinder ihre ersten Erfolgserlebnisse haben, schlägt es in Freude und Stolz um. Die motorischen Fähigkeiten werden auch immer besser, je öfter wir kochen. Und die Eltern freuen sich über die Rezepte, die ihre Kinder mit nach Hause bringen und gemeinsam kochen wollen.

Wie gestalten Sie die Kocheinheiten?

Bei uns dauert eine Kocheinheit zwei Tage. Das Kochen beginnt schon mit dem gemeinsamen Vorbereiten und Einkaufen. Eigentlich beginnt es sogar noch früher, deshalb bauen wir zusammen Obst und Gemüse an. Mir ist es wichtig, dass die Kinder den ganzen Prozess miterleben. Im Morgenkreis sprechen wir über die Lebensmittel. Und besonders schön ist es, wenn die Kinder später beim Kochen den Lauch wiedererkennen, über den wir morgens gesprochen haben. Oft erzählen sie dann von sich aus, was sie zu den Lebensmitteln behalten haben. Ich freue mich, wenn sich das Wissen so nebenbei verankert. Die ganze Kochaktion wird bei uns richtig zelebriert, ein schön gedeckter Tisch gehört auch dazu. Und das Beste kommt zum Schluss: Abwaschen ist ganz großes Kino!

Haben Ihre Kochkinder ein Lieblingsgericht?

Da gibt es mehrere … Kartoffelspalten mit selbstgemachtem Ketchup stehen auf jeden Fall hoch im Kurs. Bei dem Rezept kann ich die unterschiedlichen Altersgruppen auch gut einbinden: Meine Kochkinder sind zwischen 2,5 und 6 Jahren alt. Während sich die Älteren um den Ketchup kümmern, bekommen die Jüngeren jeweils eine Kartoffel, die sie mit Unterstützung schneiden. Neben diesen „Pommes“ finden die Kinder alles toll, was aus dem Ofen kommt.

Ich möchte den Kindern praktische Antworten geben auf die Fragen: Wo kommen unsere Lebensmittel her? Und warum essen wir keine Erdbeeren im Winter?

Aus der Ich kann kochen!-Fortbildung nahm die Erzieherin viele Anregungen dazu mit, wie sie die Kinder bei der Suche nach Antworten auf all diese Fragen begleiten kann. Vor allem aber nahm sie aus der Fortbildung Begeisterung mit und etablierte in der Kita Mariendorf-Ost ein regelmäßiges Kochformat: Inzwischen kocht die Gruppe regelmäßig selbst ihr Mittagessen. Madeleine Plath ist stolz auf ihr Ich kann kochen!-Projekt, das schon beim Einkauf beginnt:

Wir fangen direkt nach dem Frühstück an, den Mittagstisch vorzubereiten. Dann gehen wir zusammen im nahe gelegenen Supermarkt einkaufen, verkosten die gekauften Lebensmittel und legen los.

So lernen die Kinder Schritt für Schritt, wie aus einzelnen Zutaten ein fertiges Essen wird – und die Arbeit in der Küche macht ihnen sichtlich Spaß. Auch die Eltern hat die Genussbotschafterin mit ins Boot geholt: Sie tragen das Kochprojekt finanziell mit.

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