Praktische Ernährungsbildung, die wirkt

Mit Ich kann kochen! wollen wir bei Kindern in puncto Ernährung eine positive und nachhaltige Veränderung bewirken. Dafür haben wir seit Start der Initiative im Herbst 2015 mehr als 20.000 pädagogische Fach- und Lehrkräfte zu GenussbotschafterInnen fortgebildet, die Kinder für das Kochen und eine ausgewogene Ernährung begeistern. Ich kann kochen hat bereits über zehn Prozent aller Kitas und Grundschulen und mehr als eine Million Kinder erreicht.

Wie das gelingt, wurde von der Pädagogischen Hochschule Schwäbisch Gmünd und der Friedrich-Schiller-Universität Jena drei Jahre lang intensiv untersucht. Auf dieser Seite erfahren Sie alles über die Wirkungslogik- und ziele von Ich kann kochen!, die wissenschaftliche Evaluation und die Ergebnisse zur Qualität unserer Bildungsangebote und ihrer Wirkung bei unseren Zielgruppen. Gesammelt finden Sie diese Informationen und alles über Konzept, pädagogischen Ansatz und das Bildungsangebot der Initiative in unserem Bericht „5 Jahre Ich kann kochen! – Praktische Ernährungsbildung, die wirkt“. 

Bericht herunterladen (PDF)

Unsere Wirkungsziele

Wir sind überzeugt: Eine ausgewogene Ernährung ist für ein gesundes Aufwachsen zentral und sich ernähren zu können gehört zum Menschsein elementar dazu. Doch zwischen Fast Food und Fertigprodukten aus der Tiefkühltruhe, im eng getakteten Familien- und Kinderalltag ist in den vergangenen Jahrzehnten viel Ernährungs- und Kochkompetenz verloren gegangen. Und fast zwei Millionen Kinder und Jugendliche in Deutschland sind übergewichtig, etwa 800.000 davon adipös. Dem will Ich kann kochen! entgegenwirken. 

Wirkung verstehen wir als Veränderungen, zu denen wir bei unseren Zielgruppen durch unsere Bildungsangebote beitragen. Um das Wissen von Kita- und Grundschulkindern, ihre Fähigkeiten und Fertigkeiten rund um Lebensmittel und deren Zubereitung zu stärken, setzt Ich kann kochen! auf eigenes Tun, Spaß und Genuss in der Küche. Denn nur wenn sie sich als kompetent erleben, motiviert sind und den Themen Essen und Ernährung wertschätzend begegnen, setzen die Kinder das Gelernte auch im Alltag um. 


Wirkungslogik: So funktioniert Ich kann kochen!

In Fortbildungen qualifiziert Ich kann kochen! deutschlandweit ErzieherInnen, LehrerInnen und andere Fachkräfte aus Kitas und Grundschulen im Kochen mit Kindern und macht sie zu MultiplikatorInnen der praktischen Ernährungsbildung. Als GenussbotschafterInnen tragen sie ihr Wissen, ihr Können und ihre Begeisterung langfristig und nachhaltig in ihre Einrichtungen und geben es an die Kinder weiter. Dabei unterstützt sie unsere Initiative auch mit zahlreichen digitalen Bildungsmaterialien und einer Aufbaufortbildung. 

Erfahren Sie mehr über Konzept, Qualität und Wirkung von Ich kann kochen!:

So funktioniert Ich kann kochen! (PDF)

Die Evaluation von Ich kann kochen!

Mit der externen wissenschaftlichen Evaluation wollten BARMER und Sarah Wiener Stiftung Ich kann kochen! als Beitrag zur Gesundheitsförderung in Kitas und Grundschulen evidenzbasiert bewerten und reflektieren lassen. Die Evaluation erstreckte sich über drei Jahre, von Mitte 2017 bis Mitte 2020. Um die Interdisziplinarität der Initiative abzudecken, erfolgte die Evaluation aus zwei Forschungsperspektiven: der Ernährungsbildung und der Gesundheitspsychologie durch die Pädagogische Hochschule Schwäbisch Gmünd sowie der Lehr-Lern-Forschung durch die Friedrich-Schiller-Universität Jena. 

Laden Sie hier die Evaluationsberichte herunter:

Evaluationsbericht PH Schwäbisch Gmünd (PDF) 

Evaluationsbericht Universität Jena (PDF) 

Im Folgenden finden Sie wesentliche Ergebnisse der wissenschaftlichen Evaluationen zur Wirkung von Ich kann kochen! in Bezug auf unsere Zielgruppen und zur Qualität unsers Bildungsangebotes, sowie Erkenntnisse zu Einrichtungen und dem Transfer in die Familien. 

Zentrale Erkenntnisse der Evaluation (PDF)

GenussbotschafterInnen

Die GenussbotschafterInnen fühlten sich während der Fortbildung kompetent und selbstbestimmt. Sie sind motiviert, selbst in ihrer Einrichtung mit Kindern zu kochen. Die Mehrheit setzt schon im ersten Monat nach der Fortbildung Kochangebote um, jede/r Zweite bereitet häufiger mit Kindern Essen zu als vorher. Drei von vier GenussbotschafterInnen lassen dabei neue Ideen aus der Fortbildung einfließen.

Mehr lesen

Kinder

Im Durchschnitt nehmen über 50 Kinder pro GenussbotschafterIn innerhalb eines Jahres an Ich kann kochen!-Angeboten teil. Mit Erfolg: Kinder aus Kitas, in denen regelmäßig gekocht wird, haben relativ hohe Kompetenzen in der Nahrungszubereitung. Sie lernen viel über ausgewogene Ernährung, beherrschen mehr Küchentechniken und machen in der Feinmotorik Fortschritte. Sie sind selbstständiger, umsichtiger und sicherer in der Küche.

Mehr lesen

TrainerInnen

Die TrainerInnen sind in Bezug auf das Kochen mit Kindern fachlich, fachpraktisch und fachdidaktisch sehr kompetent. Sie gestalten im Rahmen der Vorgaben eine stimmige Fortbildung, die an die Bedürfnisse der TeilnehmerInnen angepasst ist. Sie arbeiten aus innerer Überzeugung als TrainerInnen für Ich kann kochen!.

Mehr lesen

Fortbildungen

Die Ich kann kochen!-Fortbildungen stoßen bei den Teilnehmenden auf positive Resonanz: ihre Zufriedenheit ist sehr groß, die große Mehrheit würde sie weiterempfehlen. Über 90 Prozent würden eine weitere Ich kann kochen!-Fortbildung besuchen. Den Wunsch nach einem weiterführenden Fortbildungsangebot konnten wir bereits in diesem Jahr erfüllen.

Mehr lesen

Bildungsmaterialien

Die Ich kann kochen!-Bildungsmaterialien werden auf der Grundlage des Materialkompasses Verbraucherbildung insgesamt mit der Note „gut“ bewertet. Über 70 Prozent der GenussbotschafterInnen nutzen das Online-Portal und bewerten die Materialien überwiegend als (sehr) hilfreich. Die Rezepte werden am häufigsten verwendet.

Mehr lesen

Kitas und Grundschulen

In den Einrichtungen ist das Thema Ernährung durch Ich kann kochen! präsenter. Es finden mehr Aktivitäten der Ernährungsbildung statt und mit der Arbeit der GenussbotschafterInnen werden Impulse in die Strukturen der Einrichtungen gegeben, was die Verhältnisse günstig beeinflusst.

Mehr lesen

Eltern

Die Eltern werden in die Angebote der praktischen Ernährungsbildung eingebunden – beispielsweise bei der Erstellung des Speiseplans, Elternabenden oder monatlichen Kochkursen – und gezielt bei Aktivitäten wie Sommerfesten oder Eltern-Kind-Aktionen beteiligt.

Mehr lesen

Hintergrund zur Evaluation


Das sagen unsere EvaluatorInnen

„Insgesamt zeigen die Ergebnisse der mehrperspektivischen Evaluation deutlich, dass es für die Prävention und Gesundheitsförderung in Lebenswelten lohnenswert ist, bei Kindern die Kompetenzen für eine genussvolle Nahrungszubereitung zu fördern. Die Settings Kita und Schule sind dabei von besonderem Interesse, da hier alle Kinder – unabhängig ihrer sozialen Herkunft – erreicht werden. Genau hier setzt die Initiative Ich kann kochen! an.“

Professorin Petra M. Lührmann
Pädagogische Hochschule Schwäbisch Gmünd

Professorin Birte Dohnke
Pädagogische Hochschule Schwäbisch Gmünd


Beteiligte ExpertInnen der Pädagogischen Hochschule Schwäbisch Gmünd sind Prof. Dr. Petra Lührmann und Renán A. Oliva Guzmán, M. Sc. (Ernährungswissenschaft) und  Prof. Dr. Birte Dohnke und Ines Schröder M. Sc. (Gesundheitspsychologie). 


„Nach drei Jahren Evaluation lässt sich feststellen, dass die Sarah Wiener Stiftung und BARMER mit Ich kann kochen! ein Fortbildungsprogramm entwickelt haben, das von den Teilnehmenden positiv bewertet wird und eine hohe Akzeptanz, Motivation und Selbstwirksamkeitserwartung bei den geschulten pädagogischen Fachkräften erzeugt. Zusammen mit der Startfinanzierung der BARMER bietet Ich kann kochen! eine gute Basis, um erste Kochangebote durchzuführen, aber auch bestehende Angebote zu verstetigen und qualitative Verbesserungen vorzunehmen.“

Professor Alexander Gröschner
Friedrich-Schiller-Universität Jena


Beteiligte ExpertInnen der Universität Jena sind Prof. Dr. Alexander Gröschner, Richard Klöden und Dipl. Psych. Swantje Tannert.

Evaluationsdesign

In einem begleitenden Design-Based Research-Ansatz (DBR) wurden gleichzeitig Forschungsdaten erhoben, in jährlichen Zwischenberichten dargestellt und daraus unmittelbar praktische Empfehlungen für die Initiative abgeleitet. Diese flossen direkt in die laufende Weiterentwicklung von Ich kann kochen! ein. Beide Forschungsgruppen analysierten mit teils sehr aufwendigen Ansätzen und Erhebungsmethoden zum einen die Qualität der Fortbildungi), TrainerInnen und Bildungsmaterialien, und zum anderen untersuchten sie die Wirkung bei unseren Zielgruppen, also den GenussbotschafterInnen und den Kindern. Sie nahmen aber auch die Einrichtungen sowie den Transfer in die Familien der Kinder in den Blick.

Das Team der Pädagogischen Hochschule Schwäbisch Gmünd bewertete die inhaltliche Qualität in Bezug auf Ernährung, Ernährungsbildung und Gesundheit und nahm eine theoretische Verortung der Thematik Kochen (bzw. der Initiative Ich kann kochen!) vor. Das Team der Universität Jena untersuchte in Anlehnung an die empirische Unterrichtsforschung die Rahmenbedingungen und Gestaltungsaspekte des Lernens der pädagogischen Fach- und Lehrkräfte in der Ich kann kochen!-Fortbildung.

In zwei Kohorten wurden über 2.400 GenussbotschafterInnen mit umfangreichen standardisierten Fragebögen direkt nach der Fortbildung und erneut nach etwa neun bis zwölf Monaten befragt. Die Evaluationsteams besuchten ausgewählte Kitas und Grundschulen und führten vor Ort mit den Kindern, GenussbotschafterInnen und Einrichtungsleitungen persönliche Interviews durch. Sie beobachteten und videografierten Fortbildungen, befragten die TrainerInnen und analysierten sämtliche Ich kann kochen!-Bildungsmaterialien.

Teilstudien und Erhebungsmethoden

Untersuchung der Fortbildung

  • Videografie von Fortbildungen: Soll-Ist-Vergleich; Untersuchung Qualitätsmerkmale (Universität Jena)
  • Teilnehmende Beobachtung (Pädagogische Hochschule Schwäbisch Gmünd)

Befragung der TrainerInnen

  • Standardisierte schriftliche Befragungen der TrainerInnen (Pädagogische Hochschule Schwäbisch Gmünd und Universität Jena)

Untersuchung der Bildungsmaterialien

  • Dokumentenanalysen aller Bildungsmaterialien (Pädagogische Hochschule Schwäbisch Gmünd und Universität Jena)
  • Kinderbefragungen zu Rezepten (Pädagogische Hochschule Schwäbisch Gmünd)

Befragung der GenussbotschafterInnen

  • Standardisierte schriftliche Befragungen der GenussbotschafterInnen nach der Fortbildung in zwei Kohorten (Pädagogische Hochschule Schwäbisch Gmünd und Universität Jena)
  • Standardisierte schriftliche Befragung der jeweiligen Kohorte neun bis zwölf Monate nach der Fortbildung (Pädagogische Hochschule Schwäbisch Gmünd und Universität Jena) mit Querschnitts- und Längsschnittanalysen

Bundesweite Untersuchung von Ich kann kochen!-Einrichtungen (Kitas und Grundschulen)

  • In Kitas: Interviews und standardisierte Befragung von Einrichtungsleitungen und GenussbotschafterInnen sowie standardisierte Interviews mit Kindern und standardisierte schriftliche Befragung von Eltern (Pädagogische Hochschule Schwäbisch Gmünd)
  • In Grundschulen: Teilnehmende Beobachtung an Ich kann kochen!-Angeboten und anschließenden Interviews mit Kindern und GenussbotschafterInnen (Universität Jena)

Jetzt herunterladen:

„5 Jahre Ich kann kochen! – Praktische Ernährungsbildung, die wirkt“: Alle Ergebnisse der wissenschaftlichen Evaluation und zur Wirkung von Ich kann kochen! auf einen Blick

 

Zum Bericht (PDF)

Lesen Sie den Bericht online: